Explosion in einem innerstädtischen Benzinlager (1921)
Am 9. August 1921 brannten in Memmingen infolge einer Explosion 8 Giebel ab, darunter 5 Wohnhäuser und 3 Lagerhäuser. Insgesamt waren 356 Feuerwehrmänner aus Memmingen, Kempten und Ulm im Einsatz.
Die Entstehungsursache des Riesenbrandes
Ein Landwirt aus der Umgebung wollte gegen 10 Uhr im Kolonialwarengeschäft „Zum Bienenkorb“ Benzin kaufen und brachte dazu einen Ballon mit. Die Füllung nahm wie immer der Magazineur der Firma aus dem im Freien auf Betonboden stehenden Benzinfaß vor. Als die ersten Tropfen des Benzins in den Ballon kamen, schlug sofort aus demselben ein Feuerstrahl heraus, der das Benzin entzündete.
Der Brandherd befand sich im hinteren Lagerhaus. Deshalb ist es begreiflich, daß sich das Feuer mit riesiger Geschwindigkeit nicht nur gegen das Wohnhaus nach der Kramerstraße hin ausdehnte, sondern auch sich gegen die Klösterlesgasse ausbreitete. Die an den Brandherd angrenzenden Häuser wurden ausgeräumt. Viele Hände rührten sich, um Möbel, Hausgerät usw. herauszutragen.
Es handelte sich bei dem Brandobjekt nicht nur um altes Fachwerk, in dem eine Unmenge leicht brennbarer Gegenstände untergebracht war, sondern es wirkt noch eine Reihe anderer mißlicher Umstände mit. Vor allem war es der abnormale niedrige Stand des Stadtbaches, in dem zuerst die Saugeimer kein Wasser fassen konnten und der tiefe Stand des Wasserreservoirs, der besonders auch dadurch hervorgerufen war, daß die elektrische Kraft fast den ganzen Vormittag ausgeblieben war.
Da die sofort erschienene Weckerlinie dem rasenden Element gegenüber machtlos war, wurde die Gesamtwehr alarmiert, welche bei ihrem Eingreifen bereits 8 vom Feuer ergriffene Gebäude vorfand. Infolge der großen Hitze, ferner wegen der Explosionsgefahr der noch dort lagernden Benzinmengen und anderen leicht brennbaren Stoffen, stieß die Bekämpfung des eigentlichen Brandherdes bei der zusammenhängenden mittelalterlichen Bauweise auf schwer überwindliche Schwierigkeiten. Man musste sich deshalb vorwiegend auf die Rettung der anstoßenden Gebäude, welche bisher vom Feuer verschont geblieben waren, und auf die Eindämmung des Brandherdes beschränken.
Unter Führung der beiden Kommandanten Eugen Städele und Simon Niggl wurde das Feuer von der Kramerstraße und von der Klösterlesgasse aus mit 37 Schlauchleitungen unter Aufbietung aller verfügbaren Kräfte bekämpft. Das Wasser wurde aus 9 Hydranten der städtischen Wasserleitung und mittels 10 Saug- und Druckspritzen der hiesigen Feuerwehr und von zahlreich herbeigeeilten auswärtigen Feuerwehren aus dem nahegelegenen Stadtbach entnommen.
Unermüdlich hatte die Feuerwehr gearbeitet, so dass um halb 1 Uhr die größte Gefahr beseitigt war. Die ganzen Löscharbeiten vollzogen sich ohne jeglichen Unfall.
Der angerichtete Schaden ist sehr groß. Allein der Gebäudeschaden wird auf mehrere Millionen berechnet. Außerdem ist ein großer Teil der Habe von dem Feuer zerstört worden. Jedenfalls deckt die Versicherung bei weitem nicht den Verlust, den Einzelne erleiden.
Auch der Stadtrat müsse laut dem Bürgermeister durch Bereitstellung von Mitteln aus der öffentlichen Wohltätigkeit helfend eingreifen. Er schlage vor, unter Zuhilfenahme der Zeitungen, die sich jedenfalls hierzu bereit erklären werden, unter Mitwirkung der Stadtkasse, der Banken usw. eine öffentliche Sammlung zu veranstalten.
Bürgermeister Braun sprach allen Feuerwehren den herzlichen Dank aus für ihre Tatkraft, die Schneid und den Opfermut, mit der sie gearbeitet haben. Besonders gelte dies bei den jüngeren Leuten. Ohne Mithilfe der Landgemeinden wäre es wohl nicht gelungen, den Brand zu beschränken.
Eine weitere Frage infolge des Brandes war die Anschaffung einer Motorspritze, die gestern sehr notwendig gewesen wäre. Der Schaden hätte, wenn die Spritze eine Stunde früher vorhanden gewesen wäre, auf die Hälfte beschränkt werden können.
Text: Memminger Zeitung vom 10. August 1921, Memminger Volksblatt vom 10. August 1921, Zeitung für Feuerlöschwesen vom 15. September 1921.
Bilder: Feuerwehrarchiv.











